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Vorstellung: Blaupunkt Helsinki 220 BT


Deichgraf63
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Nun begann es auch mein "Chorus 1" zu erwischen, das bekannte Problem des Lautstärkestellers, er neigte immer mehr dazu, die Lautstärke ganz herunterzudrehen, obwohl ich eigentlich einen Tick lauter hören wollte. Die Reparaturkosten sind - bekanntermaßen - nicht wirklich günstig und es bleibt ein Kassettenradio, wobei der Klang des Kassettenteil recht dumpf ist (trotz gründlicher Reinigung), da half nur volles Hineindrehen der Höhen. Auch waren zwei vertikale Pixelreihen der Anzeige nicht mehr ganz bei der Musik, fielen bei Wärme fast ganz aus. Für gebrauchte, intakte Werksradios werden Preise aufgerufen, die den des hier vorgestellten Neugerätes übersteigen, das ist keine wirkliche Alternative.

 

Was also tun? Nun, optisch sind die Werksradios, was ihre Integration in das Interieur der Kugel angeht, einfach unschlagbar. Auch die großen Tasten und die übersichtliche Bedienung sind mustergültig, da ist auf dem Nachrüstmarkt nichts vergleichbares zu bekommen, auch nicht beim vorgestellten Gerät.

 

Da macht man sich ja lange Gedanken, was das neue Gerät können soll. Klar, UKW-Radio mit Verkehrsfunk, CD ist gut, mp3 per USB natürlich besser. Schön wäre noch DAB+ gewesen, aber das Blaupunkt auch zur Funkausstellung kein entsprechendes Gerät präsentiert hat, nährt doch den Verdacht, daß auch dieses Digitalradio wieder eine "Totgeburt" werden dürfte, eigentlich schade. Aber wenn man sich nur auf die Ballungsräume mit der Verfügbarkeit beschränkt, ist das kein Wunder, denn gerade Vielfahrer sind nicht nur dort unterwegs und sehen sich gerade in Fläche nach Alternativen zum allfälligen Dudelfunk mit ihrem 100-Lieder-Rerpertoire der "Grönemeyer-Collins-Roselstolz-Dauer-rotation" gepaart mit albernen Moderatoren. Wer anderes, wie z.B. Country, Swing, Gospel, Jazz oder andere anspruchsvollere Musik abseits von Klassik hören will, wird nicht fündig. Aber das ist ein anderes Thema...

 

Kurz zuvor hatte das "Gamma" im betagten Golf III meines Bruders sein Leben in Raten ausgehaucht, so daß er ein neues Gerät brauchte. Da er geschäftlich viel mit dem Wagen unterwegs ist und natürlich auch mobil erreichbar sein will, war für ihn die Bluethooth-Anbindung wichtig. Er entschied sich für das ebenfalls brandneue Blaupunkt Toronto 420 BT, welches bis zu 1.000 Mobilnummern im Gerät abspeichern kann, einen halbparametrischen Equilizer und andere GImmicks aufweist. Zur Bedienphilosophie gehören bei Blaupunkt nun von dem Unternehmen so genannte "Encoder", für den Laien einfach Drehregler, die elektronisch abgegriffen werden und sich auch schon im Audi "Chorus" so als Lautstärkeregler wiederfand. Damit wird aber nicht nur die Lautstärke eingestellt, sondern auch die Auswahl in Listen, wie Wiedergabelisten, Telefonlisten und den Einträgen in den Menüs zur Einstellung des Radios. Das "Toronto" hat gleich deren zwei, während das einfachere Helsinki mit einem auskommen muß und anstelle des zweiten Encoders eine Vierfachwippe zur Auswahl hat. Nur das "Toronto" hat eine Funktion, die das ausgeschaltete Autoradio bei einem Anruf "aufweckt", darauf kann man verzichten, indem man das Radio einfach ganz leise einstellt, so kann man auch noch den Verkehrsfunk nutzen. Auch die zweite USB-Buchse auf der Rückseite zum Update hat nur dieses Gerät, genauso wie einen Schacht für SD-Karten hinter dem Bedienteil. Das "Toronto" hatte mein Bruder für knapp 120€ im Internet erworben. Die beiden Bedienelemente symmetrisch auf beiden Seiten des großen Anzeigefeldes, die Tasten für Senderspeicher, Wiedergabe und Telefonfunktionen darunter, das ist eine optische Reminiszens an klassische Autoradios, wie wir sie ähnlich auch von der 2. Serie von "Chorus" und "Concert" aus dem A2 kennen.

 

Die Beleuchung sämlicher Bedienelemente, mit Ausnahme des grünen Telefonhörers in perfekt im Audi-Rot gehalten, das Anzeigefeld nicht rot, sondern leider grau-weiß, ähnlich der Instrumentenbeleuchtung des A2. Da die Blaupunkts abnehmbare Bedienteile haben und ich auf der Rückseite Schrauben entdeckt habe, ergibt sich vielleicht die Möglichkeit, die weißen LED durch rote zu tauschen und so Abhilfe zu schaffen. Der blau leuchtende Ring ist sicher als Markenzeichen gedacht. Übrigens wird dieser bei eingeschalteter Fahrzeugbeleuchung und ausgeschaltetem Radio als einziges beleuchtet.

 

An Anschlüssen gibt es vier Ausgänge, auch kann man eine zweikanalige Endstufe zusätzlich anschließen (Toronto; Vierkanal-Endstufen plus Subwoofer-Anschluß), wie es auch im A2 an den Werksradios gemacht wurde. Ob der Original-Audi-Verstärker im A2 einfach betrieben werden kann, entzieht sich meiner Kenntnis. Einen Anschluß für einen CD-Wechsler gibt es nicht, solche Geräte sind in Zeiten von USB und mp3 auch obsolet. Ein analoger 3,5mm Klinkeneingang auf der Front ist ebenfalls vorhanden, um z.B. einen antiken Walkman anzudocken.

 

Da ich auf dem Weg zum GoGoDi nach Pinneberg am Pro Markt in Elmshorn vorbeikam und noch Zeit hatte, bin ich da mal hinein, um mich zu informieren. Ich war angenehm überrascht, daß es dort auch Blaupunkt gab, während oft nur die Marken zu finden sind, die in Tunerkreisen beliebt sind und mir wegen ihres marktschreierischen Designs überhaupt nicht gefallen.

 

In der Vorführwand fand sich auch das Helsinki, der Preis: 89,95€! Für ein Radio mit CD, mp3 von CD und USB-Stick, Freisprecheinrichtung für bis zu 5 tragbare Telefone und Musikstreaming über Bluetooth, da kann man nicht meckern. Ich erinnere mich noch, daß ein einfaches Blaupunkt Kassettenradio ohne Autoreverse, Stationstaste und mit 2x6 Watt Musikleistung Ende der 1970 Jahre noch mal eben 600 DM gekostet hat! Da kostete ein gut ausgestatteter Audi 80 noch deutlich unter 20.000 DM. Bei gleicher Preissteigerung wie bei Autos müßte so ein Radio heute dann mal eben über 1.000€ kosten, technischen Fortschritt hat es ja wie bei Autos auch gegeben. Wenn man die unverschämten Preise für Werksradio sieht und dann so einen Preis, dann sieht man die enorme Abzocke durch die Autohersteller.

 

Das kann man eher über das verwendete, hochglänzende Plastik hinwegsehen, wie es heutzutage wohl für alle Geräte der Unterhaltungselektronik scheinbar ein Muß ist. Es wirkt wenig hochwertig und man sieht sofort die Fingerabdrücke, wie auf dem Foto erkennbar ist. Der mattsilberne Rahmen paßt optisch weniger in meinen A2 ohne Alu-Innenausstattungspaket, Eigner der späteren Modelle können hier eine Ergänzung zu den Alu-Applikationen an Instrumenten, Schaltsack, Armlehnen in den Türen und Handschuhfachriegel sehen. Der außere schwarze Plastikrahmen ist übrigens nur gesteckt, Bastler könnten ihn durchaus abnehmen und mit Softlack etwas an das A2-Interieur "neuerer" A2 anpassen.

 

Mit der Bedienung kam ich auch ohne Anleitung klar, also habe ich mir einen Karton genommen und so ein Helsinki erworben.

 

Klar ist, daß für den Einbau in den A2 noch weitere Kosten anfallen, hier die Aufstellung für Audi A2 ohne CAN-Bus-Anbindung des Radios:

 

- Blenden zur Anpassung der Breite des Einbauschachtes

- Adapter der Spannungversorgung zum Tausch von Schalt- und Dauerplus

- Phantomspeisung für die Antenne (ohne ist der Empfang wirklich sehr schlecht)

- Ausbauwerkzeug für das vorhandene Originalradio (kann man sich natürlich auch borgen)

 

 

Mit zum Lieferumfang gehören der Einbaurahmen, der optisch ähnlich dem ist, wie es ihn seit den 1980er Jahren gibt, die Anleitung und die beiden Ausziehwerkzeuge. Und diese Dinge sind ein Zumutung: Aus dünnstem, leicht verbiegbarem, nicht entgratetem und damit messerscharfem Blech gefertigt, sind sie eine Garantie für blutige Finger, so man nicht zumindest mit etwas Schleifpapier die Grate entfernt. Damit das Radio zu ziehen ist nicht ganz ohne, aber der größte Wermutstropfen am Gesamtpaket.

 

Erst einmal eingebaut, ist das Gerät durchaus ein Quell der Freude. Der Klang ist klar, die 4x20 Sinus an vier Ohm reichen aus (das Toronto soll 4x22 Watt leisten, jeweils bei 14,4V). Die gehörrichtige Lautstärkekorrektur, hier "X-Bass" genannt, läßt sich in den Stufen 0-1-2-3 verändern, Bässe, Höhen und Lautstärkeverteilung anpassen. Auch Einschaltlautstärke, Verkehrsfunklautstärke und Bluetooth-Lautstärke sind getrennt einstellbar. Es gibt eine Funktion, welche die Helligkeit des Anzeigefeldes vermindert, wenn das Fahrzeuglicht eingeschaltet wird, eine Dauerbeleuchtung wie bei den Werksradios bei ausgeschaltetem Radio gibt es leider nicht. Das große Anzeigefeld mit seinen neun Stellen ist sehr gut ablesbar, mp3-Tags werden angezeigt, man kann wählen, ob sie nur einmal gescrollt durchlaufen oder fortwährend, um die Info anzuzeigen. Die Schrift ist übrigens beim "Helsinki" größer als beim "Toronto", bei dem auch die beiden äußeren Bedienelemente weiter nach innen gerückt sind, wodurch die Tasten daneben etwas größer ausfallen.

 

Der Empfang ist gut und stabil, das CD-Laufwerk "frißt" auch CD-R und CD-RW sowie mp3 und WMA-Dateien, diese beiden Formate können auch über die frontseitige Buchse von einem USB-Stick gelesen werden. Bei Nichtbenutzung verdeckt eine verliersichere Kappe diesen Anschluß. Ich habe mir extra einen der daumennagelkleinen USB-Sticks gekauft, da so ein "Kaugummistreifen" durch seinen Hebel die Buchse wohl stärker mechanisch belastet, noch mehr natürlich, wenn jemand ungeschickt vom Beifahrersitz aus mit dem Knie dagegen stößt, Auf die 16GB dürften so an die 1.000 Lieder passen.

 

Man bekommt eine Menge für knapp 90€, ok, das "Speckschwartenplastik" hätte nicht sein müssen. Immerhin ist das Gerät laut Kartonaufdruck "engineered and designed in germany". Autoradios "Made in germany" dürfte es wohl auch neu nicht mehr geben.

 

Also ist das Helsinki Blaupunkt 220 BT ideal für denjenigen, der nicht allen möglichen Ausstattungsschnickschnack will, aber Wert auf eine Freisprecheinrichtung und mp3-Wiedergabe vom USB-Stick wert legt. Wer Auto-HiFi als Hobby hat, mag die Nase über das "Helsinki" rümpfen, aber der wird es auch über die Werksradios tun. Wer allerdings nur den "neuesten Stand der Technik" oder einen funktionsfähigen Ersatz für ein malades Werksradio sucht, der kann gern zugreifen.

 

Zur Seite von Blaupunkt: Blaupunkt: Autoradio

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Edited by Deichgraf63
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Da bleibt nur die Frage, wie gut die Langzeiterfahrung mit dem Gerät ist und vor allem inwiefern die Freisprecheinrichtung etwas taugt. Zumindest beim Vorgänger Toronto 400 BT bewegte sich letztere auch im Stand bei abgesteltem Motor irgendwo zwischen Gulli und Wasserfall.

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